Die Sülzauen:

schützens- und erhaltenswert

Foto: Karola  Schönhofer

LEITBILD DER STADT OVERATH

Seite 35/36

3.1 Naturschutz und Landschaftspflege

Natur bereitet Freude

Overaths Flusstäler sind von besonderer Qualität und überregionaler Bedeutung. 

Einige ökologisch wertvolle Bereiche, z. B. an der Sülz, sind ungeschützt.

Die europäische Wasserrahmenrichtlinie setzt verbindliche Umweltziele, die schnell erreicht werden müssen. (...)

Ziele:

In Overath wird die Sensibilität für bessere Perspektiven zum Schutz der

Natur und Umwelt weit über das gesetzliche Mindestmaß verstärkt.

Die Ziele des „Naturpark Bergisches Land“ werden bei allen örtlichen

Planungen beachtet zum Erhalt und zur Verbesserung des Landschaftsbildes.

Maßnahmen:

Naturschutz außerorts bestimmt sich durch öffentliche Uferwege bzw. Uferschutzstreifen entlang der Agger und der Sülz sowie durch interkommunale Verbindungen mit Fuß-, Rad-

und Wanderwegen; (...)

Notwendige Maßnahmen im Rahmen naturnaher Entwicklungen der Sülz sind z. B. Grunderwerb/ Pacht oder Öko-Pool-Ausgleichsflächen, so dass entlang des Flusses ein Naturschutzgebiet mit Biotopen, Naturdenkmälern und Wanderkorridor entstehen kann.

Störende Einwirkungen auf das Landschaftsbild (z. B. durch Großwindanlagen, Mobilfunkmasten oder Deponien in Höhenlagen) sind auszuschließen.

Der Naherholung ist ein hoher Stellenwert einzuräumen.

Die Umwidmung von temporären Landschaftsschutzgebieten in Baugebiete wird nur im Einzelfall genehmigt. (...)

Alle Maßnahmen motivieren die Overather Bürgerinnen und Bürger, den Schutz der Natur  um ihrer selbst willen zu beachten und sie als Standortvorteil bzw. Gesundheitsservice für Menschen zu erhalten („Die Natur braucht uns nicht, aber wir brauchen die Natur“)..

Im Leitbild der Stadt Overath wird gefordert, „den Schutz der Natur um ihrer selbst willen zu beachten und sie als Standortvorteil bzw. Gesundheitsservice für Menschen zu erhalten  (Leitbild Overath, S. 36)

 

Diese Forderung wird unserer Meinung nach aber durch die Planung eines Gewerbegebietes zwischen Unterauel und Untereschbach nicht beachtet – man kann auch sagen, mit Füßen getreten. Wir wollen deshalb hier zuerst darlegen, welchen Nutzen die bedrohten Sülzauen für Mensch, Natur und Wirtschaft bedeuten.

 

„Overaths Flusstäler sind von besonderer Qualität und überregionaler Bedeutung. Einige ökologisch wertvolle Bereiche, z.B. an der Sülz, sind ungeschützt. Die europäische Wasserrahmenrichtlinie setzt verbindliche Umweltziele, die schnell erreicht werden müssen.“ (Leitbild Overath, S. 35)

 

Tatsächlich soll aufgrund veralteter und überholter Rechtsgrundlagen wie dem Flächennutzungsplan von 1980 (!) jetzt dieser ungeschützte Status der Sülzauen ausgenutzt und dadurch ein wertvolles Stück Natur und Kulturlandschaft unwiederbringlich zerstört werden – zu Lasten des beschworenen Standortvorteils und Gesundheitsservices für die Menschen.

 

Wenn im Folgenden häufig von den Sülzauen die Rede ist, so beziehen wir uns überwiegend auf den Bereich zwischen Untereschbach und Unterauel, sonst wird jeweils aus dem Zusammenhang klar, wenn wir andere Abschnitte erwähnen.

Die Naturlandschaft der Sülzaue

„Auen sind auch heute Zentren der biologischen Vielfalt, obwohl einige bekannte Arten nur noch sporadisch auftauchen. Dazu gehören beispielsweise Biber und Fischotter, Schwarzstorch, Pirol und Eisvogel, aber auch zahlreiche Fischarten... Darüber hinaus bietet die Aue Lebensraum für zahlreiche Amphibien, Reptilien und Insekten. Tausende Pflanzenarten sind zudem auf das Mosaik zwischen feutchten und trockenen Standorten in der Aue spezialisiert... Intakte Auen fungieren als Biokorridore.“

(BUND: Wildnis am Rhein. Artenvielfalt und Hochwasserschutz durch Revitalisierung der Auen, S. 4ff.)

Foto: Andrew Schou

Lebensraum, Erholungsraum und Filter für Schadstoffe

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) hat 2010 eine Methodik entwickelt, die den Wert der Auen als Lebensraum für Pflanzen und Tiere, als Erholungsraum für die Menschen und als Filter für Schadstoffe beziffert. Damit wird zusätzlich zum Hochwasserrückhalteeffekt der ökonomische Nutzen der verschiedenen Ökosystemfunktionen  (Nährstoffrückhalt, Hochwasserschutz, Naherholung) einer revitalisierten Aue quantitativ erfasst. Der monetäre Wert des ökonomischen und ökologischen Nutzens der Auenrevitalisierung an der Elbe ist dreimal so hoch wie ihre Kosten.

Foto: Andrew Schou

Die Folgen des Insektensterbens

Nach Untersuchungen in NRW ist die Biomasse der Fluginsekten seit 1989 mancherorts um bis zu 80 Prozent zurückgegangen. Nicht nur die Zahl der Arten, sondern auch die der Individuen befindet sich in einem dramatischen Sinkflug.

Die Folgen des Insektensterbens gehen weit über die „Bestäubungskrise“ hinaus. Auch Vogelarten (...)  werden bei einem weiteren Rückgang ihrer wichtigsten Nahrung Probleme bekommen, genügend Nachwuchs aufzuziehen.  NABU 2017

 

​Auf den naturnahen Wiesen, die nur zwei- bis dreimal im Jahr gemäht werden, finden Insekten und damit auch Vögel Nahrung. Und nicht nur Vögel...

 

Foto: Andrew Schou

Die Sülzauen als Kulturlandschaft und Naherholungsgebiet

Städte und Regionen, die an einem Fluss liegen, besitzen einen Standortvorteil, meinen 70% der Deutschen: „Am Wasser fühlen wir uns besonders wohl – die Mehrheit der Deutschen (86 %) hält sich gerne an Flüssen auf. Eine schöne Landschaft, frische Luft, Wohnen im Grünen oder am Wasser können den Wert einer Wohnung, eines Stadtviertels oder einer Region steigern... Tourismus und Erholung sind auch an Flusslandschaften von großer Bedeutung, insbesondere als Naherholungsgebiete...“

(Bundesamt für Naturschutz, Erholung und Tourismus in Flussauen)

 Mit den Sülzauen besitzen wir noch eine interessante und teils sehr schöne Flussaue, mit einem großen Potential zur Renaturierung und zur Gestaltung als einen attraktiven Erholungsraum mit Angeboten für Kinder, Wanderer, Radfahrer und Kanufahrer.

 

Notwendige Maßnahmen im Rahmen naturnaher Entwicklungen der Sülz sind z. B. Grunderwerb/ Pacht oder Öko-Pool-Ausgleichsflächen, so dass entlang des Flusses ein Naturschutzgebiet mit Biotopen, Naturdenkmälern und Wanderkorridor entstehen kann.

(Leitbild Overath S.35)

Das ist genau das, was wir auch wünschen. Würde das Leitbild ernst genommen, so würde kein Gewerbegebiet zwischen Unterauel und Untereschbach geplant. Stattdessen Grund zu erwerben, um durch den Aggerverband Renaturierungen durchzuführen und Retentionsflächen für den Hochwasserschutz zu gewinnen, hätte unsere volle Unterstützung.

Geschichte erleben

 

Die natürliche Aue umfasst das gesamt Flusstal bis zu den aufsteigenden Bergen. Sie wurde aber durch den Menschen vielfach verändert – vor allem in den letzten 150 Jahren. Deshalb ist es keine natürliche Landschaft mehr, sondern eine Kulturlandschaft. Im Sülztal kann man dies besonders gut zeigen und dokumentieren.

Interessant ist dieses Gebiet nicht nur wegen der schönen Natur, mit der Sülz, den Wiesenflächen, dem Auenwäldchen, dem Ausblick  auf Lüderich und Königsforst, sondern auch als Informationsquelle über die Natur, die Technik- und Kulturgeschichte und ihre vielfältigen Wechselwirkungen.

 

Hinweise auf die Vergangenheit als Bergbaugebiet: der Förderturm auf dem Lüderich und die geheimnisvolle "Scheune" (Pumpenstation Bergbau)

Das Wegekreuz am Auenwäldchen
Tourismus und Werbung für die Region

 

Schon jetzt werden die Sülzauen von vielen Menschen genutzt: von Wanderern, Spaziergängern, Bikern, Touren-Radfahrern und Hundebesitzern genutzt.  Aus unmittelbarer Nachbarschaft, aber auch aus Bergisch Gladbach, Refrath oder Köln gehen dort täglich auch ohne ausgewiesenen Wanderweg 40 bis 50 Personen, an Wochenenden auch schnell drei bis viermal soviel.

 

Vom Golfplatz auf dem Lüderich hat man einen wunderbaren Blick auf die Sülzauen, kostenlose Werbung für die Region und die Stadt Overath. Die Präsentationwäre eine ganz andere, wenn der Blick auf ein Gewerbegebiet fällt.

 

Aber auch so liesse sich der Freizeitwert dieser Landschaft noch steigern. Insbesondere das Konzept des „naturnahen Sülztalwegs“, das der Verein Lebenswertes Sülztal entwickelt hat, kann dazu beitragen. Für dieses Konzept hat der Verein 2011 den Umweltpreis der Stadt Rösrath erhalten.

Der vorgeschlagene Rad- und Wanderweg über den alten Bahndamm und durch die Sülzaue entlang des Flusses bis zur Querung über das Stegbrückchen kann vielen Menschen Freude bereiten, die die Ruhe abseits der lauten Landstraße und in der Schönheit der Flussaue genießen können.

Dieses Konzept des Rad- und Wanderwegs wurde von CDU, SPD und Grünen sowohl in Overath als auch in Rösrath für gut befunden. Der Weg ist jetzt Teil des Agger-Sülz-Radwegs, der schrittweise in den nächsten Jahren realisiert wird und als „Qualitätsradweg“ auch Tourismus anziehen soll.

 

Eine Wegführung entlang eines noch weiter ausgedehnten Gewerbegebietes mit  weiterer Zerstückelung und Verkleinerung der Auenlandschaft ist da absolut kontraproduktiv und wird dem gemeinsamen Projekt der drei Kreise (Rhein-Berg, Oberberg, Rhein-Sieg) massiv schaden.

 

Wanderer und Radfahrer durchqueren die Sülzauen, wenn sie vom Königsforst zum Lüderich wollen, und umgekehrt. Dazu nutzen sie die Wege bei Hellenthal oder Daubenbüchel. Mit einem ausgedehnteren Gewerbegebiet würde dies zusätzlich erschwert und unattraktiv.

 

Dient ein solcher Gewerberiegel, der mit einer Bauhöhe bis zu 11 Metern über dem Straßenniveau gedacht wird, dem Erhalt und der Verbesserung des Landschaftsbildes, wie im Leitbild Overath gefordert wird (ebda., S. 35)?

 

Kapelle und Bebauung in Hellenthal

Kapelle von vorne

Die natürliche Schönheit des Flusses,

egal ob Sommer oder Winter...

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